Die Mundart

  • Vorwort
  • Die Lautschrift
  • Redewendungen

Mein lieber Gast,

wenn man von Franken spricht, muß man zwischen Ober-, Mittel-, und Unterfranken unterscheiden.
So verschieden die Landschaften und ihre Menschen sind, so verschieden sind auch ihre Dialekte. Selbst innerhalb der drei Regionen Frankens wird noch unterschiedlich gesprochen.

Meine Beiträge in Mundart sind im Nürnberger oder Roßtaler Dialekt geschrieben. In den Dialekten, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich spreche. Zwischen beiden Dialekten ist kein allzu großer Unterschied und beide "Orte" sind Orte im Zentrum Mittelfrankens - gerade mal 16 km auseinander.

Erwin P. Kandel



Lange Vokale

aa wie in laadschn (latschen)
ää wie in Wääng (Wägen)
ee wie in Kees (Käse).
ie wie in riedn (reden), Schliedn (Schlitten)
oo wie in Loodn (Laden)
uu wie in Huusn, Buudn (Hose, Boden)
oa wie in gfoahrn, Oarsch und Woar (gefahren, Arsch, Ware)

Doppellaute

äi wie in Gäißer, bläier und Bräider. (Gießer, blühen, Brüder)
au wie in schauer (schauen)
ei wie in bleim, greiner (bleiben, greinen)
ou wie in Bloud, Broud und Noud (Blut, Brot, Not)

Kurze Vokale

a wie in wardn, Laddern (warten,Leiter)
e immer offen gesprochen wie in ned, Bedd (nicht, Bett)
i wie in Ribbm (Rippe)
o immer offen gesprochen wie in kodzn, Ogs, wos (kotzen, Ochse, was)
u wie in Ruggerla (Ruckelein)

Mitlaute

b = p - Bradzen, Budzdeifl (Pratze, Putzteufel)
d = t - doud, Duudn (tot, Tuten)
gl, gn, gr = kl, kn, kr - Gleddn, Gniedli, Grawaddn (Klette, Klöße, Krawatte)
gg = ck wie Gloggng (Glocke)

Aber:
k vor Vokalen wie in Kärch, Kimmerling, Kulln (Kirche, Gurke, Kohlen)

Der flüchtige Gleitlaut

Das in der internationalen Phonetik auf dem Kopf stehende e wird als er geschrieben
- ganger, fanger, langer u.ä. (gegangen, fangen, lange u.ä.).

Als Zugeständnis an den Leser verwende ich bei Hauptwörtern allerdings die Schreibung:
Männla, Gäißerla, Scheißerla
(Männlein, Gießerlein, Scheißerlein.

Quelle: Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huußn haßen
Ein Wörterbuch von Herbert Maas

Idiome

... sind 1. Spracheigentümlichkeit einer Gruppe von Sprechern (z. B. Dialekt);

... sind 2. feste Wortverbindung oder syntaktische Fügung, deren Gesamtbedeutung sich nicht aus der Bedeutung ihrer Bestandteile ergibt (z. B. »Eulen nach Athen tragen« = »etwas Überflüssiges tun«).

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

Redewendung
... bildhafter Ausdruck, bei dem Wörter eine feste Verbindung eingegangen sind. Im Unterschied zur Redensart wird sowohl die ursprüngliche als auch die übertragene Bedeutung erfasst.

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

Redensart
... verbaler, prägnanter und bildhafter Ausdruck, der im Unterschied zum Sprichwort in einen Satz eingebettet werden muss (z. B. »sie versprach ihm goldene Berge«).

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007



Übersetzt heißt das:
Kurze, bildhafte und ausdruckstarke Sätze, deren Bedeutung jeder genau kennt, der da aufgewachsen oder schon längere Zeit wohnt, wo sie gesprochen werden.

In Mittelfranken nennt man diese Sprüche "Soocher" (Sager).
Egal, ob es sich um Redensarten, Redewendungen oder Idiome handelt.

Ein Beispiel:

In Mittelfränkischer Mundart:
" Dä schaud wäi a Acherla wenns blidzd "

Wörtlich übersetzt heißt das:
" Der blickt, wie ein Eichhörnchen, wenn es blitzt ".

Das entspricht dem Hochdeutschen :
" Der guckt dumm aus der Wäsche "

Gemeint ist in beiden Fällen: Jemand schaut entgeistert drein.

Erwin P. Kandel

Sie sind hier: Startseite > Dies und Das > Unser Frankenland

Print Friendly and PDF

Zum Seitenanfang